Zu viele Fonds im Depot? So schaffen Sie Überblick
Stand:
Ein Depot ist unübersichtlich, wenn Sie nicht mehr sagen können, welche Aufgabe jede Position hat, oder wenn mehrere Fonds dasselbe abdecken. Überblick schaffen Sie in der Reihenfolge: alle Positionen erfassen, Kosten und Überschneidungen ermitteln, jede Position einordnen und erst danach über Änderungen entscheiden. Jeder Verkauf kann Steuern und Kaufkosten auslösen, deshalb steht die Bestandsaufnahme am Anfang.
Woran erkenne ich ein unübersichtliches Depot?
Ein Depot wird selten auf einmal unübersichtlich. Es wächst über Jahre, durch Käufe bei verschiedenen Beratern, Aktionen der Bank und Sparpläne, an die niemand mehr denkt. Typische Anzeichen:
- Viele Positionen: Sie können nicht mehr erklären, warum Sie jede einzelne halten.
- Mini-Positionen: Einzelne Positionen sind so klein, dass sie das Ergebnis kaum bewegen, etwa unter 1 % des Depotwerts. Bei 250.000 € wären das weniger als 2.500 €.
- Alte Sparpläne: Sparpläne laufen weiter, obwohl der Anlass lange zurückliegt, auch in Fonds, die Sie heute nicht mehr wählen würden.
- Doppelungen: Mehrere Fonds mit gleichem Schwerpunkt, etwa zwei Welt-ETFs oder ein Welt- und ein USA-ETF. Sie halten dieselben Aktien dann mehrfach.
- Mehrere Depots: Positionen verteilen sich auf Banken, und niemand kennt die Summe.
Wie gehe ich bei der Bestandsaufnahme vor?
Beginnen Sie mit einer Liste, bevor Sie etwas verkaufen. Sie brauchen dafür nur die Depotauszüge und die Kostenaufstellung Ihrer Bank.
- Alles zusammentragen: Depotauszüge aller Banken, dazu laufende Sparpläne.
- Eine Tabelle anlegen: Pro Position ISIN, Name, Wert in Euro, Kaufdatum, Kaufkurs und laufende Kosten in Prozent.
- Kosten in Euro ausrechnen: Wert mal Kostensatz. Die Kostensätze stehen im Basisinformationsblatt, mehr im Ratgeber Kosten im Depot.
- Überschneidungen suchen: Vergleichen Sie die größten Titel Ihrer Fonds, siehe Klumpenrisiko und ETF-Überschneidung.
- Jeder Position eine Aufgabe zuweisen: Welchen Markt oder welche Anlageklasse deckt sie ab, und deckt das nicht schon ein anderer Fonds ab? Positionen ohne Antwort markieren Sie.
Der Depotcheck übernimmt diese Schritte aus Ihrem Depotauszug: Er zeigt Kosten in Euro, Aufteilung, Überschneidungen und Konzentration und beschreibt jede Position.
Was kostet das Umschichten?
Wer einen Fonds mit Kursgewinn verkauft, zahlt Steuer auf den Gewinn, und wer einen neuen kauft, zahlt gegebenenfalls Kaufkosten. Das Beispiel zeigt den Umfang für 40.000 € aus einem Aktienfonds mit 12.000 € Gewinn, ohne Kirchensteuer und bei vollem Sparer-Pauschbetrag.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Verkaufserlös 40.000 € abzüglich Kaufpreis 28.000 €: Gewinn | 12.000 € |
| Nach Teilfreistellung von 30 % (Aktienfonds) | 8.400 € |
| Nach Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € | 7.400 € |
| Abgeltungsteuer 25 % | 1.850 € |
| Solidaritätszuschlag 5,5 % darauf | 102 € |
| Ausgabeaufschlag beim Neukauf, bei 5 % auf 40.000 € | bis 2.000 € |
| Summe der Kosten | bis rund 3.950 € |
Die Grundlagen: Die Abgeltungsteuer beträgt 25 % (§ 32d EStG) zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf (§ 4 SolZG). Bei Aktienfonds bleiben 30 % der Erträge steuerfrei (§ 20 InvStG). Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 €, bei zusammenveranlagten Ehegatten 2.000 € (§ 20 Abs. 9 EStG). Er ist aufgebraucht, wenn Sie in dem Jahr bereits Zinsen oder Dividenden in dieser Höhe erhalten haben. Ein ETF ohne Ausgabeaufschlag spart diesen Posten; die Order kostet dann nur die Gebühr der Bank. Steuerfragen klären Sie mit einem Steuerberater.
Was gilt für Fonds, die ich vor 2009 gekauft habe?
Für Fondsanteile, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, gilt ein Bestandsschutz, allerdings nur noch eingeschränkt. Wertzuwächse bis zum 31. Dezember 2017 bleiben steuerfrei. Zuwächse ab dem 1. Januar 2018 sind steuerpflichtig, soweit der Gewinn aus der Veräußerung dieser Anteile 100.000 € übersteigt (§ 56 Abs. 6 InvStG). Wie viel dieses Freibetrags noch frei ist, stellt das Finanzamt fest.
Wer solche Altbestände besitzt, sollte vor jedem Verkauf einen Steuerberater einbeziehen. Ein Verkauf kann den Freibetrag verbrauchen, der dann für spätere Verkäufe fehlt.
Welche Fragen klären Sie vor jedem Verkauf?
Markierte Positionen verkaufen Sie nicht automatisch. Vier Fragen pro Position zeigen, ob sich eine Änderung überhaupt rechnet:
- Steuer: Wie hoch ist der Gewinn seit dem Kauf, und was bleibt davon nach Teilfreistellung und Pauschbetrag steuerpflichtig?
- Kaufkosten: Fällt beim Neukauf ein Ausgabeaufschlag oder eine Ordergebühr an, und wie viele Jahre dauert es, bis eine niedrigere laufende Kostenquote diese Summe ausgleicht?
- Aufgabe: Würde die Position bei einer Streichung eine Lücke hinterlassen, etwa einen Markt, den kein anderer Fonds abdeckt?
- Unterlagen: Liegen Kaufdatum und Kaufkurs vor? Ohne sie lässt sich die Steuer nicht abschätzen.
Was bedeutet es, einen Sparplan zu beenden?
Das Beenden eines Sparplans verkauft nichts. Bereits gekaufte Anteile bleiben im Depot, nur die künftigen Käufe entfallen. Es entsteht keine Steuer. Für jede Ausführung kann eine Gebühr anfallen; sie steht im Preis- und Leistungsverzeichnis der Bank. Prüfen Sie bei jedem Sparplan, in welchen Fonds er läuft, was dieser jährlich kostet und ob er zu Ihrer heutigen Lage passt. Wenn Ihnen die Beurteilung schwerfällt, hilft eine Anlageberatung, zum Beispiel die Honorarberatung.
Häufige Fragen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Anlagematrix ist vertraglich gebundener Vermittler der Central Asset Management AG (§ 3 Abs. 2 WpIG) und berät unabhängig auf Honorarbasis (§ 93 WpHG).