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Honorarberatung oder Provisionsberatung: der Unterschied

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Bei der Honorarberatung bezahlen Sie den Berater direkt. Bei der Provisionsberatung bezahlen ihn die Anbieter der Produkte, die er vermittelt, und zwar aus den Kosten dieser Produkte. Unabhängige Honorar-Anlageberater dürfen keine Provisionen behalten; Provisionsberater dürfen sie annehmen, wenn sie die Provision offenlegen und sie der Qualität ihrer Dienstleistung dient.

Wer bezahlt den Berater?

Auch Provisionsberatung kostet Geld. Der Berater erhält einen Teil des Ausgabeaufschlags und eine jährliche Bestandsprovision, die aus den laufenden Kosten des Fonds bezahlt wird. Diese Kosten mindern Ihre Rendite. Bei der Honorarberatung zahlen Sie dagegen eine Rechnung, unabhängig davon, welches Produkt Sie kaufen und ob Sie überhaupt etwas kaufen.

Ein Beispiel: Legt die Bank 100.000 € in Fonds mit 5 % Ausgabeaufschlag an, gehen 4.762 € als Aufschlag ab. Bei 0,5 % Bestandsprovision kommen 476 € pro Jahr hinzu. Bei einer Honorarberatung zahlen Sie stattdessen einen vorher vereinbarten Betrag, etwa eine Pauschale oder einen Stundensatz.

Vor einer Anlageberatung muss Ihnen eine Bank oder Wertpapierfirma sagen, ob er unabhängig auf Honorarbasis berät oder nicht, und ob sich seine Auswahl auf eigene oder nahestehende Produkte beschränkt (§ 64 Abs. 1 WpHG). Ziel dieser Regel ist, dass Sie bewusst zwischen beiden Formen wählen können, wie die BaFin zur Einführung der Regeln im August 2014 erklärt hat.

Was gilt für unabhängige Honorar-Anlageberatung?

Sie ist im Wertpapierhandelsgesetz geregelt und gilt für Beratung zu allen Finanzinstrumenten, also auch zu Aktien und Anleihen. Nach § 64 Abs. 5 WpHG muss der Anbieter:

  • breit auswählen: eine ausreichende Palette von Finanzinstrumenten verschiedener Anbieter berücksichtigen, nicht nur eigene oder nahestehende Produkte;
  • sich nur vom Kunden bezahlen lassen: Sachleistungen Dritter sind verboten, Geldzahlungen nur erlaubt, wenn es das Produkt oder ein gleich geeignetes nicht ohne Provision gibt;
  • Provisionen auskehren: erhaltene Zahlungen so schnell wie möglich und vollständig an Sie weitergeben und Sie darüber informieren.

Die BaFin führt dafür ein öffentliches Register Unabhängiger Honorar-Anlageberater (§ 93 WpHG). Bietet ein Institut beide Formen an, muss es die Honorar-Anlageberatung organisatorisch, funktional und personell von der übrigen Beratung trennen (§ 80 Abs. 7 WpHG). Die Bezeichnung dürfen nur eingetragene Unternehmen führen (§ 94 WpHG).

Was ist ein Honorar-Finanzanlagenberater?

Ein Gewerbetreibender mit einer Erlaubnis nach § 34h GewO. Er berät nur zu Investmentfonds und Vermögensanlagen, nicht zu Aktien oder Anleihen. Für ihn gelten ähnliche Regeln: Er darf sich nur vom Anleger bezahlen lassen, muss aus einer hinreichend gestreuten Auswahl empfehlen und Provisionen ungemindert an Sie weitergeben, wenn ein Produkt nicht ohne erhältlich ist. Er darf nicht zugleich ein Gewerbe als Finanzanlagenvermittler nach § 34f GewO ausüben. Er steht nicht im Register der BaFin, sondern im Vermittlerregister der Industrie- und Handelskammern.

Was gilt für Provisionsberatung?

Banken und andere Wertpapierfirmen dürfen Provisionen von Produktanbietern annehmen, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind (§ 70 Abs. 1 WpHG). Die Zahlung muss darauf ausgelegt sein, die Qualität der Dienstleistung für Sie zu verbessern, etwa durch Beratung aus einer breiten Produktpalette oder eine jährliche Prüfung, ob Ihre Anlagen noch passen (§ 6 Abs. 2 WpDVerOV). Und sie muss Ihnen vorher verständlich offengelegt werden. Solange Provisionen fließen, informiert die Bank Sie mindestens einmal im Jahr über ihre tatsächliche Höhe.

Hinzu kommt die Kostenoffenlegung nach § 63 Abs. 7 WpHG: Vor dem Geschäft erhalten Sie alle Kosten der Dienstleistung und des Produkts zusammengefasst, einschließlich der Zahlungen Dritter und ihrer Wirkung auf die Rendite. Während der Anlage folgt mindestens einmal im Jahr eine Aufstellung der tatsächlichen Kosten. Wie Sie sie lesen, erklärt der Ratgeber Ex-post-Kosteninformation.

Die Verbraucherzentralen sehen in Provisionen einen Anreiz, Produkte nach der Höhe der Vergütung auszuwählen. Zugleich kritisieren sie, dass auch die Regeln für Honorarberater Lücken haben. Ob eine Beratung gut ist, hängt also nicht allein vom Vergütungsmodell ab.

Provisionsberatung hat für Anleger auch Vorteile. Sie zahlen nichts im Voraus, und bei kleinen Beträgen sind die Provisionen in Euro gering. Wer einmalig wenig anlegt, zahlt damit unter Umständen weniger als ein festes Honorar.

Honorar und Provision im Vergleich

Honorarberatung und Provisionsberatung im Vergleich
MerkmalHonorarberatungProvisionsberatung
Wer zahltSie, per Rechnung an den BeraterDer Produktanbieter, finanziert aus den Produktkosten, die Sie tragen
Rechtsgrundlage§ 64 Abs. 5 WpHG oder § 34h GewO§ 70 WpHG
InteressenkonfliktVergütung hängt nicht vom Produkt ab; bei Prozenthonorar vom DepotwertVergütung hängt von Produkt und Umsatz ab und wird offengelegt
ProduktauswahlBreite Marktauswahl vorgeschrieben, auch Produkte ohne Provision wie ETFsKann auf Produkte mit Vertriebsvergütung oder eigene Produkte beschränkt sein
KostentransparenzHonorar als eigener Betrag in EuroKosten im Produkt, ausgewiesen in der Kosteninformation
Kleines VermögenEin festes Honorar belastet den Betrag starkProvisionen sind in Euro gering
Großes VermögenPauschale und Stundensatz wachsen kaum mitProvisionen wachsen mit dem Betrag

Was das in Euro bedeutet, zeigen die Ratgeber Was kostet ein Honorarberater? und Ab welchem Vermögen lohnt sich Honorarberatung?.

Woran erkennen Sie, wie Sie beraten werden?

  1. Fragen Sie direkt: Wie werden Sie für diese Beratung bezahlt, und von wem? Die Antwort muss vor der Beratung kommen.
  2. Prüfen Sie das Register: Unabhängige Honorar-Anlageberater stehen im Register der BaFin, Honorar-Finanzanlagenberater im Vermittlerregister der IHK.
  3. Lesen Sie die Kosteninformation: Steht dort eine Zeile „Zuwendungen“ mit einem Betrag, fließen Provisionen.
  4. Achten Sie auf Mischformen: Wer neben dem Honorar Produkte gegen Provision vermittelt, berät bei diesen Geschäften nicht als Honorarberater.

Bei bestehenden Depots zeigt die jährliche Kostenaufstellung Ihrer Bank, was Sie bisher gezahlt haben. Ob Ihre Fonds zu teuer sind, können Sie mit dem Ratgeber Fonds von der Bank zu teuer? einordnen.

Wie die Honorarberatung bei Anlagematrix abläuft, steht auf der Seite Honorarberatung.

Häufige Fragen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Anlagematrix ist vertraglich gebundener Vermittler der Central Asset Management AG (§ 3 Abs. 2 WpIG) und berät unabhängig auf Honorarbasis (§ 93 WpHG).